Die Rennbahn im Grunewald

Das vergessene AvusModell im Berliner Wald.

Ein geheimnisvoller Lost Place zwischen Havelchaussee und A115.

Bei einem Spaziergang durch den Grunewald können einem schon mal eine Rotte Wildschweine über den Weg laufen, die auf der Suche nach frischen Wurzeln, gern den Waldboden durchwühlen. Man sollte also mit offenen Augen durch den Wald laufen, um frühzeitig Wildschweine und andere Waldtiere zu entdecken. Zudem kann es passieren, dass man über fast unbekannte Lost Place stolpert, wie das steinerne Modell der historischen AvusSüdkurve, das heute unter dem Waldboden beinahe unsichtbar geworden ist.

Was dort im Wald liegt: Ein Miniaturmodell der AvusSüdkurve


Nur wenige Meter abseits des Kronprinzessinnenwegs stößt man auf ein ungewöhnliches Relikt. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, hier hat ein Stadtplaner oder Modellbauer die geplante Südkurve der Avus im Maßstab 1:100 nachgebildet – aus Betonplatten, Steinen und sorgfältig gesetzten Kanten.

Die Miniatur-Kurve misst rund 25 Meter Länge und knapp 3 Meter Breite. Sie liegt etwa 200 Meter südlich des damals vorgesehenen Scheitelpunkts der echten Südkurve.

Historischer Hintergrund: Die Avus als Prestigeprojekt

Der Bau der Avus (AutomobilVerkehrs und Übungsstraße) begann 1913.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie 1921 als erste reine Autostraße der Welt eröffnet. Die Strecke war rund neun Kilometer lang und diente als Rennstrecke für internationale Wettbewerbe. Sie war eine Teststrecke für Automobilhersteller und für die Öffentlichkeit gesperrte. Wer dennoch die Strecke nutzen wollte, musste eine Maut bezahlen. Für damalige Verhältnisse die stolze Summe von 10 Mark. Eine Vierteljahreskarte kostete 1000 Mark.


Die geplante Südkurve sollte die bereits existierende NordSteilkurve sogar übertreffen mit größerem Radius, höherer Geschwindigkeit und als Demonstration deutscher Ingenieurskunst. Besonders die legendären MercedesBenzSilberpfeile sollten hier ihre Überlegenheit zeigen.

Warum die Südkurve nie gebaut wurde

Noch vor dem Ersten Weltkrieg begannen die Arbeiten an der echten Kurve. Doch das Prestigeprojekt wurde gestoppt und später endgültig aufgegeben.

Das heute sichtbare Modell stammt vermutlich aus den 1930erJahren ein stiller Zeuge einer Vision, die nie Realität wurde.

Nach 1945 lag die Avus im amerikanischen Sektor. Das USMilitär erklärte große Teile des Grunewalds zur Sperrzone. Ein Weiterbau war ausgeschlossen.


Ein Lost Place, der fast niemand kennt

Heute liegt das Modell verborgen unter hohen Bäumen und Waldboden. Wer es findet, entdeckt ein Stück Berliner Technikgeschichte, das fast vergessen wurde – ein MiniaturDenkmal der Avus, das die Zeit überdauert hat. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

📍 So findest du den Lost Place im Grunewald

👉 Google Maps: 

https://maps.app.goo.gl/NHeadzfzTuyp3vVRA

👉 ÖPNV: 

Mit der Buslinie 218 bis Kronprinzessinnenweg/Havelchaussee.

Von dort sind es etwa 150 Meter Fußweg bis zum Modell.

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