Berliner Originale (6) Eckensteher Nante

Nante – der Mann vom Straßeneck.

Der Eckensteher Nante war eine der bekanntesten Berliner Originalfiguren des 19. Jahrhunderts – ein Dienstmann, Witzbold und scharfzüngiger Kommentator des Straßenlebens. Sein realer Name war Ferdinand Strumpf (geboren 1803) und er wurde durch seine Art, sein Auftreten und später durch Literatur und Theater zu einer Kultfigur des alten Berlins.

Nante stand an der Ecke, und zwar so zuverlässig wie die Laterne neben ihm. Sein fester Standort war die Ecke Königstraße / Neue Friedrichstraße – dort wartete er auf Gelegenheitsarbeiten wie das Tragen von Gegenständen oder Botengänge. Ein Berliner Dienstmann mit der polizeilichen Konzessionsnummer 22.


Das Foto zeigt das Denkmal von Bildhauer Gerhard Thieme,der es 1987 geschaffen hat. 

Eine lebende Litfaßsäule

Er war kein Politiker, kein Unternehmer – er war einfach da. Mit spitzen Bemerkungen und einem unerschütterlichen Humor kommentierte er das Leben der Vorbeigehenden. Manche sagten, er sei die erste „lebende Litfaßsäule“ Berlins, nur eben mit mehr Witz und weniger Papier. Er war bekannt dafür, Passanten mit treffendem, oft frechem Humor zu kommentieren – ein früher Vertreter der „Berliner Schnauze“.

Er soll aber auch faul gewesen sein und nur gearbeitet haben, wenn er kein Geld für Bier mehr hatte.

Nante wurde zur literarischen Figur und damit stadtweit bekannt, Eine erste Erwähnung fand im Drama „Ein Trauerspiel in Berlin“ statt, dass1832 aufgeführt wurde.

So richtig berühmt wurde er aber durch Friedrich Beckmanns Volksstück „Eckensteher Nante im Verhör“, in dem Beckmann 1833 selbst die Rolle spielte. Humoristen wie Adolf Glaßbrenner machten ihn später zum Inbegriff des Berliner Volkshumors.

Besonders populär war das sogenannte Nante-Lied, das seine Lebenshaltung zusammenfasst – schnoddrig, genügsam, humorvoll.

Was machte ihn zum Berliner Original?

Nante verkörperte den Witz und die Schlagfertigkeit des einfachen Volkes. Er kommentierte die Obrigkeit mit frecher Distanz. Seine Figur spiegelte die Sorgen und den Humor der Berliner in der Zeit vor der Revolution von 1848.  

Er selbst nahm sein Eckensteher-Schicksal so hin, wie es war: "Det beste Leben hab ick doch, Ick kann mir nich beklagen, Pfeift ooch der Wind durchs Ärmelloch, Det will ick schon vertragen."

Der Eckensteher ein Symbol für das alte Berlin

Ein Mann, der mit Humor und Lebensweisheit an einer Straßenecke stand und damit eine ganze Stadt prägte. Seine Figur steht für die Mischung aus Herz, Schnauze und Widerstand gegen Autorität, die man bis heute mit Berlin verbindet. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt 

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