Freitag, 18. Oktober 2019

Das Lustschloss Friedrichsfelde


Schloß Friedrichsfelde
Der große Festsaal
In Europas größtem Erlebnistierpark in Berlin präsentiert sich das frühklassizistische Schloss Friedrichsfelde. Das Schloss wurde 1684/85 durch den kurbrandenburgischen Marinedirektor Benjamin Raulé als Lustschloss im damaligen Ort Rosenfelde errichtet. 1699 wurde Rosenfelde durch den Kurfürsten Friedrich III., dem späteren preußischen König Friedrich I., in Friedrichsfelde umbenannt.
 

Im Schloß Friedrichsfelde
Die heutige Form erhielt das Schloss im Jahr 1800. Die Herzogin veranstaltete im Park und im Schloss große Feste mit Theatervorstellungen, Schäferspielen und Jahrmarktsfesten, an denen die Bewohner des Dorfes Friedrichsfelde teilnehmen konnten. Ab 1816 lebte hier die Familie von Treskow, welche Friedrichsfelde zum landwirtschaftlichen Mustergut ausbaute. Zu den bekanntesten Besuchern zählten Napoleon Bonaparte, Zar Alexander I. und König Friedrich August von Sachsen. Die auch heute noch erkennbare Gartenanlage wurde 1821 von Peter Joseph Lenné angelegt.

Schloß Friedrichsfelde
Den Zweiten Weltkrieg überstand das Schloss relativ unbeschädigt. Nach der Enteignung im Zuge der Bodenreform verfielen sowohl das Bauwerk als auch der umgebende Schlosspark. Als 1954 der Beschluss zur Anlage eines eigenen Tierparks für Ost-Berlin gefasst wurde, diente das Schloss für einige Jahre als Sitz der Organisatoren für den Umbau des Gartens. Erst im Zeitraum zwischen 1970 und 1981 wurde das Schloss auf Initiative des Tierparks Berlin renoviert. Gerade der damalige Tierparkdirektor Heinrich Dathe hat sich massiv für den Erhalt des Schlosses eingesetzt und Pläne zum Abriss verhindert. schau auch mal hier: Schloss-friedrichsfelde Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

 

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Vom Bolzplatz in die Nationalmannschaft

   
Die Gebrüder Boateng
Es waren einmal drei Brüder…, so könnte ein Märchen aus dem       Berliner Bezirk Wedding beginnen.Es waren einmal drei Fußballer, dieauf einem Bolzplatz, der von Maschendraht umzäunt war, mit der runden Kugel so lange spielten, bis die Knie blutig und die Hemden durchgeschwitzt waren. An der Travemünder Straße, zwischen Osloer Straße und Badstraße liegt der Platz, auf dem die Brüder George, Jérôme und Kevin Boateng das Fußballspielen erlernten. Inzwischen ist die Geschichte bekannt, was aus ihnen geworden ist. Kevin und Jérôme haben es bis in die Bundesliga geschafft und spielten früh international. Kevin wurde Meister in Italien, Jérôme wurde mit Bayern München mehrfach deutscher Meister und mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister. Nur George, der Älteste von den Dreien, hat es nicht ganz bis nach oben geschafft, obwohl er am talentiertesten galt. George Boateng hatte Probleme mit der Justiz und musste sich erst wieder ins Leben zurückkämpfen. Der „Käfig“ an der Travemünder Straße, so um 2000 war der Anfang von allem. Sie haben ihren Kiez bis heute nie verleugnet und wurden dafür mit einem Graffiti auf einer grauen Betonwand an der Ecke Pank- und Badstraße auf eine besondere Weise „geehrt“. Text und Foto: Klaus Tolkmitt

Sonntag, 13. Oktober 2019

Das "Parlament" der Bäume

Aktionskünstler gedenkt den Mauer-Opfern


Ein wenig versteckt zwischen den Regierungsbauten an der Spree auf der Schiffbauerdamm-Promenade in Berlin-Mitte gibt es einen „Garten“, der leider nicht ständig zugänglich ist. Das „Parlament der Bäume“ ist ein am 9. November 1990 vom Aktionskünstler Ben Wagin eingerichteter Gedenkort für die Todesopfer an der Berliner Mauer, der 2017 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Dem Künstler war es dabei wichtig, dass der Gedenkort auf dem ehemaligen Todesstreifen am östlichen Ufer der Spree gegenüber dem Reichstagsgebäude installiert wurde. Dort wurden Bäume gepflanzt, Gedenksteine, Bilder, Teile der Grenz- und Maueranlagen und Granitplatten aufgestellt, auf denen die Jahreszahlen mit den insgesamt 258 Namen von Mauer-Opfern des DDR-Regimes angegeben sind. Ben Wagin wollte aber auch das Verhältnis zwischen Mensch und Natur thematisieren. So steht auf einer bemalten Aussage: „Das Fundament eines gemeinsamen europäischen Hauses muss eine intakte Umwelt sein“. Das Mauermahnmal ist von der Promenade Schiffbauerdamm, von Freitag bis Sonntag von 11–17 Uhr, bei freiem Eintritt zugänglich. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt  

Die Geschichte vom "Hauptmann von Köpenick"

Im Rathaus Köpenick


Als Friedrich Wilhelm Voigt als Sohn eines Schuhmachers am 13. Februar 1849 in Tilsit das Licht der Welt erblickte, ahnte natürlich noch niemand, dass er als „Hauptmann von Köpenick“ in die Geschichtsbücher eingehen wird. Sein spektakulärer Überfall auf das Rathaus der Stadt Cöpenick bei Berlin, in das er am 16. Oktober 1906 als Hauptmann verkleidet mit einem Trupp gutgläubiger Soldaten eindrang, den Bürgermeister verhaftete und die Stadtkasse raubte, machte weltweit Schlagzeilen und wurde später sogar als Komödie verfilmt.
Das Denkmal vor dem Rathaus Köpenick
Voigt besuchte in Tilsit die Volksschule und die unteren Klassen einer Realschule, bevor er bei seinem Vater in die Schuhmacherlehre geht. Von seinem 14. Lebensjahr an wird er wiederholt wegen Diebstahls bestraft. Seine Wanderjahre als Schuhmachergeselle führten ihn durch weite Teile Pommerns und nach Brandenburg. Zwischen 1864 und 1891 wurde er viermal wegen Diebstahls und zweimal wegen Urkundenfälschung verurteilt und verbrachte viele Jahre im Gefängnis. Später zog er nach Rixdorf bei Berlin, wo er bei seiner älteren Schwester Bertha und deren Mann, dem Buchbinder Manz, wohnte und in einer Schuhwarenfabrik Arbeit fand.

Seinen am 16. Oktober 1906 folgenden Coup plante Voigt sorgfältig. Er informierte sich über Details der Ablösung von Wachmannschaften und wählte als mögliche Tatorte Rathäuser von Kleinstädten in der Nähe von Berlin aus. Nachdem er anfangs auch Oranienburg und Bernau in Erwägung gezogen hatte,  entschied er sich schließlich für Köpenick. Bei verschiedenen Trödlern besorgte sich Voigt Teile der Uniform eines Hauptmanns des preußischen 1. Garde-Regiments. In dieser Verkleidung hielt er im Westen Berlins mittags zur Zeit des Wachwechsels auf der Straße einen Trupp Gardesoldaten an, ließ noch einen zweiten Trupp abgelöster Wachsoldaten herbeirufen und unterstellte zehn Mann unter Hinweis auf eine nicht existierende Kabinettsorder „auf allerhöchsten Befehl“ seinem Kommando. Mit der ihm nun zur Verfügung stehenden Streitmacht fährt er mit der Bahn nach Köpenick, wo er die Soldaten zum Mittagessen einlädt. Danach marschieren sie zum Rathaus Köpenick. Die örtliche Gendarmerie wird von Voigt angewiesen, während der Aktion für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Der Tresor im Rathaus
Sodann verhaftete er „im Namen Seiner Majestät“ Oberstadtsekretär Rosenkranz und Bürgermeister Georg Langerhans. Dem Kassenrendanten von Wiltburg erklärte er, den Bestand der Stadtkasse beschlagnahmen zu müssen. Der Barbestand belief sich auf 3557,45 Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund 21.000 Euro). Schließlich ließ der falsche Hauptmann Langerhans und von Wiltburg in gemieteten Droschken unter militärischer Bewachung zur Neuen Wache nach Berlin bringen, nachdem er ihnen zuvor das Ehrenwort abgenommen hatte, keinen Fluchtversuch zu unternehmen.
Nach Beendigung seiner Aktion gab der Hauptmann von Köpenick seiner Truppe den Befehl, das Rathaus noch eine halbe Stunde besetzt zu halten. Er selbst begab sich unter den Augen einer neugierigen Menschenmenge zurück zum Bahnhof. Im Bahnhofsrestaurant ließ er sich nach Zeitungsberichten „ein Glas Helles kredenzen" und verschwand mit der nächsten Bahn in Richtung Berlin. Zehn Tage später wurde er beim Frühstück verhaftet, nachdem ein ehemaliger Zellengenosse, in Erwartung der hohen Belohnung, der Polizei einen Tipp gegeben hatte. Vom Landgericht II in Berlin „wegen unbefugten Tragens einer Uniform, Vergehens gegen die öffentliche Ordnung, Freiheitsberaubung, Betruges und schwerer Urkundenfälschung“ zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Über das Motiv des Überfalls gab es widersprüchliche Angaben. Während Voigt selbst vor Gericht, in seiner Autobiografie und auch bei seinen späteren Auftritten stets behauptete, er habe das Geld nur verwahren und eigentlich einen Auslandspass erbeuten wollen, vermutete sein Biograf Winfried Löschburg, tatsächlich sei es Voigt um zwei Millionen Mark (heute: rund 11.795.000 Euro) gegangen. Als strafmildernden Umstand ließ das Gericht hingegen gelten, dass er „nach Verbüßung seiner letzten Strafe bemüht gewesen ist, sich seinen Lebensunterhalt ehrlich zu erwerben und auf dem besten Wege war, ein nützliches Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft zu werden. Voigt wurde schließlich von Kaiser Wilhelm II. begnadigt und am 16. August 1908 vorzeitig aus der Haftanstalt Tegel entlassen. Nun begann sein zweites Leben, indem er versuchte, daraus Kapital zu schlagen.



Die Uniform des Hauptmanns
Nach seiner Entlassung sorgte sein Auftreten in Rixdorf für tumultartige Menschenaufläufe, die sogar das Einschreiten der Ordnungskräfte erforderlich machten. Schon vier Tage später präsentierte er sich in Berlin anlässlich der Enthüllung seiner Wachsfigur im Wachsfigurenkabinett Castans Panoptikum Unter den Linden. Voigt signierte Fotos und hielt Ansprachen, was ihm jedoch sofort verboten wurde. Später bereiste er ganz Deutschland und trat in Lokalen und auf Jahrmärkten auf. In Sälen oder Zirkuszelten mimte er den Hauptmann von Köpenick und verkaufte Autogrammkarten, die ihn in Uniform oder in Zivil zeigten. Der Versuch, in die USA einzureisen, scheitert zunächst an den Einwanderungsbehörden. Ende März 1910 gelang es ihm, über Kanada in die USA zu kommen. Dort konnte er mit seinem Auftreten große Erfolge feiern. 1909 erschien in einem Leipziger Verlag seine Autobiografie: Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde.


Am 1. Mai 1910 erhielt er einen neuen Ausweis und siedelte nach Luxemburg um, wo er – nachdem die öffentlichen Auftritte abgenommen hatten – überwiegend als Kellner und Schuhmacher arbeitete. Dank seiner Popularität brachte er es zu einem gewissen Wohlstand und gehörte zu den ersten Besitzern eines Automobils im Großherzogtum, in dem er bisweilen Ausflüge mit seiner Wirtin und deren Kindern unternahm.

Das Rathaus in Köpenick
Am 3. Januar 1922 starb er im Alter von 72 Jahren in Luxemburg, schwer gezeichnet von einer Lungenerkrankung und infolge von Krieg und Inflation völlig verarmt und wurde auf dem dortigen Liebfrauenfriedhof begraben. Angeblich begegnete der Trauerzug einem Trupp französischer Soldaten, die in Luxemburg stationiert waren. Auf die Frage des Truppführers, wer denn der Tote sei, antwortete die Trauergemeinde „Le Capitaine de Coepenick“. Daraufhin habe der Truppführer in der Annahme, hier werde ein echter Hauptmann zu Grabe getragen, seine Leute angewiesen, den Leichenzug mit einer militärischen Ehrenbezeugung passieren zu lassen.

Seit 1975 wird das Grab von der Stadt gepflegt und auf Betreiben einiger Abgeordneter des Europäischen Parlamentes wurde auch zugleich der Grabstein erneuert. Er zeigt nun eine Pickelhaube und die Aufschrift „HAUPTMANN VON KOEPENICK“. Darunter steht in kleinerer Schrift „Wilhelm Voigt 1850–1922“, wobei hier das Geburtsjahr falsch angegeben ist. Die Stadt Luxemburg lehnte 1999 den Antrag ab, die Grabstätte nach Berlin umzubetten. Das Haus, in dem er bis zu seinem Tode wohnte, steht heute nicht mehr.
Vor dem Rathaus in Köpenick wurde 1996 ein Denkmal aufgestellt. Am Rathaus wurde auch eine Berliner Gedenktafel für Voigt angebracht. Innerhalb des Gebäudes berichtet eine Dauerausstellung des Heimatmuseums Köpenick mit zahlreichen Anschauungsstücken über den „Hauptmann von Köpenick“. Recherche und Fotos: Klaus Tolkmitt