Freitag, 13. November 2020

Berlin hat mehr Brücken als Venedig


Eine Brückentour über die Spree (Teil 1)

Berlin kann mit Recht behaupten, mehr Brücken zu haben als Venedig. Doch wieviel es tatsächlich sind, weiß niemand so ganz genau. Während einige Statistiker von 2.000 Brücken sprechen, sagen andere, dass es wahrscheinlich knapp 1.000 Übergänge sind, die uns trockenen Fußes von einem zum anderen Ufer bringen.

Wir beginnen unsere Brückentour entlang der Spree und dem Spreekanal in Berlin-Mitte, genauer gesagt in Moabit an der Bärenbrücke, in der Nähe der S-Bahn-Station „Bellevue“. 

Die komplette Brücken-Tour ist bei lialo einsehbar. Schau mal hier bei lialo

Offiziell heißt das Bauwerk „Moabiter Brücke“, doch die Berliner kennen sie nur unter der Bezeichnung: „Bärenbrücke“, weil an beiden Enden der Geländer große gusseiserne Bärenskulpturen die Steinbrücke schmücken.


Die Brücke selbst wurde in den letzten Kriegsmonaten gesprengt, aber in ihrer ursprünglichen Form wieder errichtet. Die ehemals bronzenen Bärenskulpturen, die im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurden, sind 1981 vom Bildhauer Günter Anlauf ersetzt worden.

Aus Stein war sie übrigens nicht von Anfang an. An gleicher Stelle stand seit 1821 eine Holzbrücke, die der Hofzahnarzt Pierre Baillif als „Privatbrücke“ erbauen ließ. Diese Überführung wurde mit einem Klappendurchlass (aufklappbares Mittelstück) versehen und später von der Stadt Berlin übernommen.


Bis etwa 1870 war die Moabiter Brücke die einzige feste Verbindung zwischen dem Stadtzentrum Berlins und der Gemeinde Moabit. Und in Moabit war immer etwas los. Es gab mehr als ein Dutzend Wirtshäuser und Tanzetablissements, zu denen die Berliner am Wochenende pilgerten, um sich zu vergnügen.

Zu den Sonntagsvergnügen gehörte zwischen 1800 und 1900 die Gondelfahrt auf der Spree. Galionsfiguren wie geschnitzte Drachen, Schlangen oder Köpfe, wie wir sie von venezianischen Gondeln kennen, zierten die Spitzen der Boote. In Berlin waren es überdachte Ausflugsboote für 20 oder mehr Personen, die ein Leierkastenmann mit seinen Gassenhauern (Video) und Volksliedern in Stimmung brachte. Zwischen dem heutigen Bundeskanzleramt und Moabit fuhren "Wasserkorsos" von Lokal zu Lokal, die mehr und mehr am Ufer der Spree entstanden. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Dienstag, 10. November 2020

"WIR" - weltoffen, individuell, respektvoll

 


Menschliche Eichenholzskulptur in der Landesvertretung

Bei einem Spaziergang zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor, auf Höhe der Hessischen Landesvertretung an der Ecke Ebertstraße/In den Ministergärten, fällt eine Skulptur ins Blickfeld, die auf einer Anhöhe steht.

Der hessische Künstler Stephan Guber hat 2017 das Projekt: „Wir – weltoffen, individuell, respektvoll“, mit fünf lebensgroßen menschlichen Eichenholzskulpturen geschaffen und zu einer Gruppe arrangiert.

Zwei Jahre hat Guber an der Installation gearbeitet, die auf dem Gelände mit Resten der Bunkeranlage der Reichskanzlei einen „exponierten Platz“ erhalten hat. Außerdem lag das Areal während der Teilung Deutschlands mitten im Todesstreifen.

„Wir“, das ist ein Kreis von Menschen, in den die eigene Person eingeschlossen ist – aber „wir“, das ist auch der Kreis, der sich schließt und andere als nicht dazugehörig ausschließt, eben „ihr“. Es kommt auf den Standpunkt an, von dem aus jemand nicht nur beobachtet, sondern auch spricht.

Stephan Guber greift diese Themen auf, indem er fünf sehr unterschiedliche menschliche Skulpturen schafft, die sich wegen ihrer ausgeprägten Individualität zu einer Gruppe formieren. Sie treten „durch Positionierung, Haltung, Mimik, und Blick mit sich selbst, untereinander, aber auch mit den Betrachtern in einen subtilen Dialog. Text und Foto: Klaus Tolkmitt