Geheimnisvolles Berlin (3)
Versteckte Orte und ungelöste Rätsel der Hauptstadt.
Berlin steckt voller Geschichten, die im Schatten der großen
Sehenswürdigkeiten oft übersehen werden. Zwischen Seen, Villenkolonien und
alten Industriearealen finden sich Orte, die selbst langjährige Berliner
überraschen. Zwei dieser geheimnisvollen Schauplätze – ein farbiges Mosaik aus
Trümmern am Tegeler See und ein wandernder Löwe am Wannsee – zeigen, wie
vielschichtig die Hauptstadt wirklich ist.
Der geheimnisvolle Betonbogen am Tegeler See und der Flensburger Löwe am Wannsee
Am Ende der Greenwichpromenade, nahe dem Kanonenplatz in Tegel, erhebt sich ein neun Meter hoher Stahlbetonbogen über den Borsigdamm. Viele Spaziergänger nehmen ihn kaum bewusst wahr – doch seine Geschichte ist außergewöhnlich.
Was macht den Bogen so besonders?
Geschaffen wurde der Schmuckbogen vom Bildhauer Gerhard Schultze-Seehof, der einzigartige Mosaike verwendete: Die farbigen Wassersport- und Fischmotive bestehen aus Trümmerschutt – Keramik- und Fliesenreste aus den zerstörten Häusern Tegels nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Darstellungen zeigen den Jahreszeitenzyklus und stehen
für Sport, Freizeit und Erholung am Tegeler See.
Tegel war durch die Rüstungsproduktion der Borsigwerke stark
bombardiert worden. Eine Lorenbahn brachte den Schutt ans Ufer, wo er für den
Wiederaufbau genutzt wurde.
Entstehung des Borsigdamms
Die ersten Pläne stammen aus den 1920er Jahren, doch erst
1954 wurde der Damm fertiggestellt – breiter und höher als ursprünglich
geplant. Der Bogen wurde Teil der neuen Ufergrünanlage und ist heute ein
stilles Denkmal für Zerstörung, Wiederaufbau und künstlerische Kreativität.
Der Flensburger Löwe am Wannsee – ein Denkmal auf Reisen
Am Westufer des Großen Wannsees steht ein bronzener Löwe, der auf den ersten Blick wie ein klassisches Villenviertel-Dekor wirkt. Doch seine Herkunft führt weit über Berlin hinaus – bis nach Dänemark.
Die bewegte Geschichte des Löwen
Der Löwe erinnert an den preußischen Sieg im
Deutsch-Dänischen Krieg 1864, insbesondere an die Schlacht bei den Düppeler
Schanzen.
Nach dem Krieg fiel fast das gesamte Herzogtum Schleswig an
Preußen und Flensburg wurde wieder deutsch.
1867 ließ Generalfeldmarschall Friedrich Graf von Wrangel
die Statue nach Berlin bringen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der Journalist Henrik
V. Ringsted für die Rückführung ein. Dwight D. Eisenhower genehmigte den
Transport, und am 20. Oktober 1945 nahm König Christian X. das Denkmal in
Kopenhagen in Empfang.
Warum steht am Wannsee trotzdem ein Löwe?
Die heutige Statue ist eine Kopie, die der Bankier Wilhelm Conrad 1873 anfertigen ließ.
Ursprünglich schmückte sie den Bergpark der von Conrad
gegründeten „Colonie Alsen“, einem prachtvollen Villenviertel am Wannsee. 1938
wurde der Löwe an seinen heutigen Standort versetzt.
Von der einst glanzvollen Villenkolonie sind heute nur
wenige Gebäude erhalten – der Löwe jedoch bewahrt ihre Erinnerung.
Warum sind diese Orte für Berliner*innen und Berlin-Besucher
so spannend?
Sie zeigen unbekannte Kapitel der Stadtgeschichte, die nicht
in jedem Reiseführer stehen. Sie verbinden Kunst, Kriegsgeschichte und
Stadtentwicklung auf ungewöhnliche Weise. Sie eignen sich perfekt für
individuelle Stadtspaziergänge abseits der bekannten Routen. Sie erzählen von
Verlust, Wiederaufbau und Identität – Themen, die Berlin bis heute prägen. Text
und Fotos: Klaus Tolkmitt
So geht es zum Stahlbetonbogen


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