Berliner Originale – „Krücke“ war Stammgast im Sportpalast.
Was wäre Berlin ohne seine Originale?
Das wäre wie Currywurst ohne Schrippe – schlicht undenkbar!
Schon im 19. und 20. Jahrhundert sorgten Figuren wie Bimmel-Bolle, Krücke,
Pinselheinrich oder Mutter Lustig auf den Straßen der Stadt für die
unverwechselbare „Berliner Schnauze“. Sie waren laut, frech, manchmal schräg –
aber immer ein Stück echtes Milljöh. Aber auch die Harfenjule, der Hauptmann
von Köpenick, und Eckensteher Nante zählen zu den bekanntesten Berliner
Originalen, die hier vorgestellt werden sollen.
Nur wenige kennen „Krücke“ mit bürgerlichem Namen
Die Sportlerkarriere fand ein schnelles Ende
In seiner Jugend träumte „Krücke“ noch von einer großen
Sportlerkarriere. Der „Nudeltopp“, die Treptower Radrennpiste war sein Zuhause.
Doch 1905 schlug das Schicksal erbärmlich zu. Er war mit seinem Rad auf
regennasser Straße unterwegs, strauchelte, geriet unter eine Straßenbahn und
wurde von der Tram überfahren. Er überlebte den schweren Unfall, war aber für
den Rest seines Lebens auf Krücken angewiesen.
Seinen Spitznamen bekam er nach einem Skatabend in einem
Biergarten mit seinen Freunden. Die hatten seine Krücke unbeobachtet an einem
Fahnenmast aufgehängt. Habisch vermisste seine Gehhilfe natürlich und rief laut
nach der Krücke. Von diesem Tag an hatte er seinen Spitznamen.
Krücke – Stammgast im Sportpalast
„Krücke“ war kein stiller Leidender. Ganz im Gegenteil. Seine Begeisterung für den Radsport hat er trotz aller Rückschläge nie verloren und wurde in den 1920-Jahren bei den Sechstagerennen Stammgast im Sportpalast. Ganz oben auf dem Heuboden, den billigen Plätzen, gehört "Krücke" Habisch schon fast zum Inventar. Von dort aus heizt er mit Klamauk und Witzen die Stimmung auf, reißt seine Possen, jubelt und beleidigt schon gern einmal die versammelte Prominenz.
So richtig bekannt wurde Reinhold Habisch 1923 im Zusammenhang mit dem Sportpalastwalzer. Komponist Siegfried Translateur hat ihn Jahre zuvor in Wien komponiert und mit einem signifikanten, viermaligen Händeklatschen versehen. Also eigentlich wie gemacht für so ein Rennen mit jubelwütigem Publikum. „Krücke“ verpasst der Begleitmusik seine eigene Note, indem er in der dritten Walzersequenz die Musik mit einem prägnanten Pfiff untermahlt.
Der König mit dem Pfiff - Sechstagerennen hat eine eigene
Hymne –
Sein Pfeifen macht ihn unsterblich und es gibt keinen in der
Berliner Radsportszene, der ihn und seine Pfeiftiraden nicht kennt. Als das
Sechstagerennen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen wird, ist nach
wie vor seine Version des Sportpalastwalzers die offizielle Erkennungsmelodie.
Habisch starb einen Tag vor seinem 75. Geburtstag und liegt
in einem Ehrengrab des Landes Berlin auf dem Neuen Teil des Kirchhofs der
St.-Thomas-Gemeinde II in Berlin-Neukölln begraben. Text und Fotos Klaus
Tolkmitt
In der
nächsten Folge der Berliner Originale geht es um die „Harfenjule“ aus Schöneberg.
Hier
der Link zu der Geschichte von Bimmel-Bolle.
Hier
stand der Sportpalast Hier geht es zu Berichten von MeinBerlin-erleben
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