Dienstag, 19. November 2019

Die Friedensglocke von Berlin

Zum Gedenken an die Toten von Hiroshima und Nagasaki

Zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges läutete am 1. September 1989 erstmals die Friedensglocke im Berliner Volkspark Friedrichshain.
Im Dezember 1988 trug die "World Peace Bell Association" die Bitte an Manfred Schmidt, Botschafter der DDR in Japan, heran, eine Friedensglocke in repräsentativer und zentraler Lage aufstellen zu dürfen.
So wurde entschieden, den Tempel mit Glocke am Großen Teich im Volkspark Friedrichshain, in unmittelbarer Nähe des Alexanderplatzes und der Gründungsstätte von Berlin - der Nikolaikirche, zu errichten.

Der kleine Glockentempel ist nach japanischen Entwürfen von deutschen Handwerkern kunstfertig errichtet worden. Die Glocke wurde aus Münzen der damaligen 104 UN-Mitgliedsstaaten gegossen und trägt auf Japanisch und Deutsch das Wort „Frieden“.

Von den 25 Friedensglocken weltweit, die von der Weltfriedensglockengesellschaft, einer Assoziation der UNO, errichtet wurden, haben zwölf diese besondere Legierungsart.
Als ein Symbol der Mahnung zum Frieden ist in Anwesenheit höchster Regierungs- und gesellschaftlicher Repräsentanten der DDR und breiter Bevölkerungsschichten die Friedensglocke von Berlin im Volkspark Friedrichshain feierlich übergeben worden. Der Vizepräsident der World Peace Bell Association (Gesellschaft Weltfriedensglocke) Kiyoo Takayama aus Japan übergab die 365 Kilogramm schwere Glocke an die ehemalige Hauptstadt der DDR.

Die Idee der Friedensglocken wurde von Chiyoji Nakagawa, einem Überlebenden der Atombombenabwürfe von 1945, geboren. Mit seinen Freunden sammelte er Münzen aus vielen Ländern, die dann mit metallenen Trümmern Hiroshimas verschmolzen wurden.
Der Magistrat von Berlin beschloss, die Glocke im Volkspark Friedrichshain aufzustellen, als Symbol des Willens, dass auch künftig glückliche Menschen ohne Angst vor einem Krieg leben können. Begleitet vom Beifall der Kundgebungsteilnehmer läutete die Tochter des antifaschistischen Widerstandskämpfers Anton Saefkow, Dr. Bärbel Schindler-Saefkow, und die Japanerin Sachiko Wakizaka von der "World Peace Bell Association" gemeinsam am 1. September 1989 die Friedensglocke ein. Hunderte Tauben stiegen danach in den Himmel.

Heute gehört die Friedensglocke zum Kleinod des wiedervereinigten Berlins. Zwei Tafeln unter der Glocke mahnen zum Gedenken an die Opfer der US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki von 1945. Text und Foto: Klaus Tolkmitt

Donnerstag, 14. November 2019

Lottchen liebte Möbel und Männer

Im Gutshaus Mahlsdorf werden Gründerzeitjahre wieder „lebendig“

Als Lothar Berfelde in Mahlsdorf geboren und von Freunden liebevoll „Lottchen“ genannt, weil er sich für Mädchenkleider und Männer interessierte, wurde aus einem jungen Mann die zarte „Charlotte von Mahlsdorf“. Zu Zeiten der DDR lebte Charlotte am Rande der der Gesellschaft und wurde nach der Wende als Trödlerin stadtbekannt. Sie begann Haushaltsgegenstände zu sammeln und rettete aus zerbombten Häusern historische Alltagsgegenstände. Aus der Sammelleidenschaft entstand 1959/60 das „Gründerzeitmuseum“ in dem vom Abriss bedrohten Gutshaus Mahlsdorf. Sie setzte sich für den Erhalt des Gutshauses ein und erhielt das komplette Gebäude mietfrei überlassen.

Dort eröffnete sie 1960 ihr Museum mit Möbeln und Gegenständen aus der Gründerzeit. Die Gründerzeit zwischen 1871 und 1914 fällt in jene Epoche, in welcher das Bürgertum in Mitteleuropa die kulturelle Führung übernahm.
Nach mehreren Sanierungen des Gebäudes und der Instandsetzung der Parkanlage am Gutshof, hat sich das Gründerzeitmuseum mit seiner beindruckenden Sammlung inzwischen zu einer gefragten Adresse für historisch interessierte Liebhaber entwickelt. Das Museum war und ist ein Geheimtipp unter Museumsfreunden. Es besitzt nach wie vor eine einzigartige Aura, von der sich neben der Schwulen- und Lesbenszene, die unterschiedlichsten Menschen angezogen fühlen.
Seit dem Tod von Charlotte von Mahlsdorf kümmert sich der Förderverein „Gutshaus Mahlsdorf“ um das Erbe. Mittwochs und sonntags ist das Museum geöffnet und die Besucher können eintauchen in eine andere Welt. Sie werden dabei von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Förderverein informativ durch das Haus geführt.
Die Räume sind ausgestattet mit Möbeln und Hausrat des Bürgertums aus der Zeit von 1880 bis 1900. Der große Gartensaal mit Freitreppe zum Park ist als „gutes Zimmer“ möbliert. Hohe Spiegel und Kronleuchter machen den Raum zum Festsaal. Hier werden inzwischen auch standesamtliche Trauungen abgehalten. Im repräsentativen „Herrenzimmer“ und im neogotischen Speisezimmer stehen Möbel aus massiven Nussbaum und im roten „Damensalon“ kann man erahnen wie sich das damalige Leben mit Plüschsofas abgespielt hat. In den Gründerjahren wurden aber auch technische Errungenschaften entwickelt, die Charlotte von Mahlsdorf inspiriert haben. So rettete sie aus dieser Zeit „Musikmaschinen“ die bereits für den Sperrmüll vorgesehen waren, Grammophone mit Schellackplatten, Tanzsaal-Orchestrione sowie Phonographen und Spieldosen, die alle noch funktionsfähig sind und zur Freude der Besucher krächzende Musik wiedergeben.

Eine museale Kostbarkeit ist die vollständig erhaltene Lokaleinrichtung der „Mulackritze“, der letzten Zillekneipe Berlins aus der Mulackstraße im Scheunenviertel. Die Ausstattung mit Theke und „Hungerturm“ von 1890 sowie den Werbe- und Verbotsschildern an den Wänden dokumentiert ebenso wie die „Hurenstube“ ein Stück Berliner „Milljöh“.
Charlotte von Mahlsdorf starb am 30.April 2002 an einem Herzinfarkt. Sie wurde auf dem Evangelischen Waldfriedhof an der Rahnsdorfer Straße in Berlin-Mahlsdorf direkt neben ihrer Mutter Gretchen Berfelde beigesetzt. Einen besonderen Hinweis auf das berühmte Grab gibt es nicht. Es liegt etwas versteckt hinter der Kapelle auf dem Friedhof.
Text und Fotos: Klaus Tolkmitt. Quelle: Gründerzeitmuseum, 

Info: Das Gründerzeitmuseum im Gutshaus Mahlsdorf befindet sich am Hultschiner Damm 333, in 12623 Berlin-Mahlsdorf.
http://www.gruenderzeitmuseum.de

Öffnungszeiten: Mittwoch und Sonntag 10 bis 18 Uhr. Zu erreichen mit dem Auto über die B1 und B5 oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zum S-Bahnhof Mahlsdorf und von dort mit der Tram 62 Richtung Wendenschlösschen bis zur Haltestelle Alt-Mahlsdorf.

Montag, 11. November 2019

Er war der "Deutsche Sinatra"


Am Grab von Entertainer Harald Juhnke

Zahlreiche Persönlichkeiten liegen auf dem Waldfriedhof Dahlem in Berlin begraben. Unter ihnen auch Harald Juhnke, Schauspieler, Entertainer, Synchronsprecher und Sänger. Am 10. Juni 1929 wurde er in Berlin geboren, seine Mutter stammte aus einer Bäckerfamilie und sein Vater war Polizeibeamter. Juhnke wuchs im damaligen Arbeiterbezirk Wedding (heute Ortsteil Gesundbrunnen im Bezirk Mitte) in Berlin auf. 1948 verließ er die Schule, um Schauspieler zu werden. In den 1950er und 1960er Jahren wurde er als Filmschauspieler bekannt. Man engagierte ihn als jugendlichen Liebhaber oder als lustigen Berliner. Was viele nicht wissen, Juhnke war etliche Jahre als Synchronsprecher tätig und war unter anderem die deutsche Stimme für Marlon Brando, Charles Bronson, Peter Falck oder auch Robert Wagner.
Ab 1977 sah man ihn häufiger im Fernsehen. So mit Grit Boettcher in der ZDF-Serie „Ein verrücktes Paar“. Später moderierte er als Nachfolger des verstorbenen Peter
Frankenfeld die Show „Musik ist Trumpf“. Juhnkes Alkoholprobleme führten Ende 1981 zur Einstellung der Sendereihe. Sein Vorbild war Frank Sinatra, den er gern im Smoking und mit Lackschuhen nacheiferte. Es folgte Serien wie „Drei Damen vom Grill“ oder die beliebte Sketchserie „Harald und Eddi“ mit Eddi Arendt.
In den 1990er Jahre schaffte Juhnke ein Comeback als Filmschauspieler. In den Filmen „Schtonk“ und „Der Hauptmann von Köpenick“ (1997) erwarb er sich bei Kritikern großes Lob als Charakterdarsteller. Seine Alkoholerkrankung verarbeitete er 1995 in der Hauptrolle in dem Film „Der Trinker“ nach Hans Fallada.
Zusammen mit Walter Plathe und Günter Pfitzmann war Juhnke 1999 Mitbegründer des Zille-Museums im Berliner Nikolaiviertel.
Am 1. April 2005 verstarb der Schauspieler im Alter von 75 Jahren. Die Trauerfeier in der Berliner Gedächtniskirche mit 800 Anwesenden fand am 9. April 2005 statt, anschließende wurde er auf dem Waldfriedhof Dahlem im engsten Familienkreis beigesetzt. Die schlichte Grabanlage ist ein Ehrengrab des Landes Berlin. Am Friedhofseingang sind auf einem Plan die Ehrengräber verzeichnet.  Text und Foto: Klaus Tolkmitt

Donnerstag, 7. November 2019

Berliner Geschichten

Wie kommt die Dampflok in den Wald ? 













Es ist schon ein wenig merkwürdig, wenn man am S-Bahnhof Priesterweg das „Südgelände“ im Berliner Ortsteil Schöneberg betritt. Ein Spaziergang durch den 18 Hektar großen Park gleicht einem Abenteuer zwischen Natur und Technik. Früher rollten hier Züge der Bahn zum Rangierbahnhof Tempelhof oder zum Bahnbetriebswerk.
Heute hat sich die Natur fast alles „zurückerobert“, obwohl Gleise immer noch sichtbar sind und Teile der alten Bahnanlagen erhalten sind. Der 50 Meter hohe Wasserturm des ehemaligen Bahnbetriebswerks gilt als weithin sichtbares Wahrzeichen des Parks und die alte Dampflok der Baureihe 50 aus dem Jahr 1940 versteckt sich zwischen Birken und Hecken.

Der Park zeichnet sich durch die Kombination von verfallenden Eisenbahnanlagen, Naturschutz und neuen Kunstobjekten, der Künstlergruppe Odius aus. Da sich auf dem Gelände eine Vielzahl seltener Pflanzen befinden, ist ein Teil des Areals auch zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Und das mitten in Berlin. Einige Wege führen über Stege und sollten nicht verlassen werden, besonders in der Brutzeit der Vögel, die das hohe Gras nutzen, um ihre Nester zu bauen.
Mehr erfahren kann man über das Südgelände bei Parkführungen, die der Berliner Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) anbietet.
Der Park ist ganzjährig tagsüber geöffnet und kann über den S-Bahnhof Priesterweg erreicht werden. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Dienstag, 5. November 2019

Das bömische Dorf in Rixdorf

Dorfidylle am Richardplatz

Ein Dorf steht unter Denkmalschutz

Während auf der Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln das Leben pulsiert, kommt man nach ein paar Schritten abseits in einen Ort der Ruhe und Beschaulichkeit. Das Böhmische Dorf rund um den Richardplatz war der Mittelpunkt des alten Rixdorf.
Nach einer Schlacht im Jahre 1620 verließen immer mehr Protestantnen Böhmen und kamen ab 1737 auf Einladung von Friedrich Wilhelm I. auch nach Rixdorf.

Im Jahre 1899 erhielt Rixdorf das Stadtrecht, 1912 erfolgte die Umbenennung in Neukölln und acht Jahre später im Jahre 1920 wurde der Stadtkreis Neukölln zusammen mit den Nachbargemeinden Britz, Buckow und Rudow im Rahmen des Groß-Berlin-Gesetzes als 14. Verwaltungsbezirk (Neukölln) nach Groß-Berlin eingemeindet.
Friedrich Wilhelm I
Das gesamte Ensemble der Gebäude des früheren Böhmisch-Rixdorf steht heute als Böhmisches Dorf unter Denkmalschutz und gilt als bedeutendes Kulturdenkmal. Die Dorfkirche, der Dorfanger, die Schmiede sowie kleine Kolonistenhäuser in den Kopfsteinpflaster-Gassen verleihen der Siedlung den unverwechselbaren Charakter.

Zu den am besten erhaltenen historischen Gebäuden von Böhmisch-Rixdorf gehört das Haus Kirchgasse 5. Eingeweiht wurde es am 14. November 1753 als eine Schule, in der bis 1909 Unterricht abgehalten wurde. Am Giebel sieht man deutlich einen Kelch, der verdeutlichen soll, dass sich zwischen 1754 und 1761 hier der erste Gebetssaal der Brüdergemeine befand. In zwei Räumen befindet sich hier heute ein kleines Museum. Die historische Schmiede, die sich mitten auf dem Richardplatz befindet, wurde zuerst 1624 erwähnt. Sie gehörte ursprünglich einem Schmied aus Berlin. 1797 wurde hier ein Schmied ansässig, dessen Nachkommen die Schmiede über 150 Jahre führten. Sie ist bis heute in Betrieb. Die Schmiede nimmt jährlich am traditionellen Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt teil. Gleich nebenan hat „Kutschen-Schöne“ seinen Fuhrbetrieb, der 1894 eröffnet wurde.
Die Bethlehemskirche auf dem Richardplatz, auch „Rixdorfer Dorfkirche“ genannt, stammt aus dem Jahre 1481. Die Kirche ist bekannt für ihre gute Akustik, darum finden regelmäßig Konzerte im Gotteshaus statt.
Der Comenius-Garten an der Richardstraße wurde 1995 in Anwesenheit der Oberbürgermeister von Berlin und Prag eröffnet. Seine Architektur soll an die pädagogischen und philosophischen Vorstellungen von Johann Amos Comenius anknüpfen. Bei der Eröffnung wurde auch die Partnerschaft beider Städte - Berlin und Prag - besiegelt. Text und © Fotos: Klaus Tolkmitt
Am Dorfanger
Die alte Schmiede