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Mittwoch, 31. August 2022

Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen

Der Prager Platz kennt keine namenlosen Helden

Berlin Besuchern ist der Prager Platz vielleicht noch nicht so bekannt, dafür nutzen die Berliner*innen aus den umliegenden Wohnvierteln nach einem Bummel durch die Einkaufspassage umso mehr die zahlreichen Bänke für eine erholsame Verschnaufpause.

Der Prager Platz, der im Ortsteil Wilmersdorf an der Grenze zum Bayerischen Viertel im Ortsteil Schöneberg liegt, ist mit seiner Grünanlage, einschließlich einer Fontäne auf der Mittelinsel, ein Ruhepol in dem sonst eher hektischen Alltagsleben.

Der Platz wurde 1870 als Schmuckplatz angelegt und hieß bis 1888 Halberstädter Platz.

Der Name erinnert an den Prager Frieden am 23. August 1866, der den Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich beendete. 1904 erhielt der Platz eine Grünanlage und 1907 Wohngebäude im Stil der späten Gründerzeit.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts war der Prager Platz ein kulturelles Zentrum des Berliner Westens. Hier und in den umliegenden Straßen lebten und trafen sich Künstler und Intellektuelle wie Albert Einstein und Egon Erwin Kisch. Erich Kästner hat dem Prager Platz mit seinem Kinderroman von “Emil und die Detektive” ein literarisches Denkmal gesetzt. Er wohnte von 1927 bis 1931 in der Prager Straße. Eine Gedenktafel am Haus Nummer 8 erinnert an diese Zeit.

Die „Prager Diele“ an der Ecke Trautenaustraße (gibt es leider nicht mehr) war in den 1920er Jahren ein Treffpunkt russischer Intellektueller, die als Emigranten oder „Revolutionstouristen“ nach Berlin gekommen waren.  Zu ihnen zählten die Schriftsteller Vladimir Nabokov, Boris Pasternak und Maxim Gorki. Der Zweite Weltkrieg beendete allerdings diese Glanzzeit des Prager Platzes, der weitestgehend zerstört wurde

1986 wurde der Platz entsprechend seiner historischen Struktur neu gestaltet. 1987 wurde er als Teil der Internationalen Bauausstellung “IBA” zum besonderen Stadtplanungsprojekt, das im Juni 2002 mit der Eröffnung der “Prager Passage” abgeschlossen wurde. Die neuen Gebäude zeigen den traditionellen Stil der Eckbebauung an den Straßeneinmündungen.

An der Einmündung der Trautenaustraße fällt eine Steinskulptur besonders ins Auge.

Die Skulptur des tschechischen Bildhauers Miroslav Vochta, gestiftet von der R.M.Rilke-Stiftung und der Stadt Prag, Partnerstadt von Berlin, wurde 2007 auf dem Prager Platz enthüllt. Der Granit für das Monument wurde in dem berühmten Steinbruch von Mrakotin auf der historischen Grenze zwischen Böhmen und Mähren geschlagen.

In den Stein sind Zitate des in Prag geborenen Dichters Rainer Maria Rilke eingraviert. Das Monument ist Teil des Projektes “Unsere Geschichte kennt keine namenlosen Helden”. Es soll für die friedliche und freundschaftliche Nachbarschaft von Deutschen und Tschechen stehen.

Wer noch mehr über die Gegend um den Prager Platz wissen möchte, der sollte eine Tour mit lialo.com und „Emil und den Detektiven“ machen. Spielerisch wird an den original Schauplätzen Erich Kästners Geschichte nacherzählt. Kleine Aufgaben und Rätsel machen aus dem Spaziergang eine „Schnitzeljagd“ für junge und ältere Teilnehmer. Mit einem Smartphone und dem Link: Emil und die Detektive kann man die kostenlose App sofort starten.

Eine weitere Tour führt zu beliebten Berliner Plätzen. Start ist am Viktoria-Luise-Platz. Der Link zur Tour: Beliebte Berliner Plätze Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Freitag, 3. Januar 2020

Der Weinbrunnen auf dem Rüdesheimer Platz

Winzerfest mit "Vater Rhein"

Groß und mächtig thront „Siegfried der Rosslenker“ über dem Rüdesheimer Platz. Er gehört zur gewaltigen Brunnenanlage, die die gepflegte Grünanlage dominiert.
Der Rüdesheimer Platz, inzwischen ein Gartendenkmal, liegt im Berliner Ortsteil Wilmersdorf und stellt das Zentrum des Rheingauviertels dar. Darum sind die Straßen rund um den Platz auch nach Städten und Orten aus dem Rheingau-Taunus-Kreis im Land Hessen benannt
Die 1911 entworfene neubarocke Brunnenanlage wird in ihrer Mitte von Siegfried, dem Rosslenker überragt. Flankiert wird er von einer Weinkönigin, oft auch als allegorische Figur der Mosel bezeichnet und einer männlichen Skulptur – auch als Vater Rhein beschrieben. Die Wohnsiedlung gilt als vorbildliche Frühform aufgelockerter Bauweise im Grünen. So prägen die um 1910 im englischen Landhausstil errichteten Wohnhäuser den gesamten Stadtplatz durch ihre Fassaden, Giebel und auch die Vorgärten. Die Grünanlage liegt etwas tiefer und ist durch den alten Baumbestand und die Blumenrabatten eine kleine Oase inmitten der Großstadt.
Was liegt da näher, schon seit 1967 alljährlich hier unter den ehrwürdigen dicken Plantanen und Buchen in aufgelockerter Atmosphäre das beliebte Winzerfest zu feiern. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt
Mehr Informationen über den Rüdesheimer Platz: https://www.ruedi-net.net/