Berliner Volksmund (4) Die Suppenschüssel

  „Suppenschüssel" passt nicht ins Museum.

Im Berliner Volksmund gibt es zahlreiche originelle Ausdrücke, die liebevoll als Berolinismen oder Berlinismen bezeichnet werden. Diese Begriffe sind fest in der Alltagssprache verankert und spiegeln die besondere Kultur und den Humor der Hauptstadt wider. Besonders beliebt sind Spitznamen für Gebäude, Denkmäler oder typische Berliner Eigenheiten – oft mit einem Augenzwinkern versehen.

Einige dieser Ausdrücke haben längst überregionale Bekanntheit erlangt, während andere eher umstritten sind und möglicherweise eher von Stadtführern oder Reiseführern geprägt wurden als vom echten Berliner Alltag.

Die „Suppenschüssel“


Die mächtige Granitschale von Christian Gottlieb Cantian im Lustgarten vor dem Alten Museum wird von Berlinerinnen und Berlinern schlicht „Suppenschüssel“ genannt. Mit einem Durchmesser von 6,91Metern, einem Umfang von 21,7Metern und einem Gewicht von rund 75Tonnen gilt sie als Meisterwerk der Steinmetzkunst. Aufgrund ihrer Größe und handwerklichen Perfektion wird sie auch als Biedermeierweltwunder bezeichnet.

Warum die Schale nicht ins Museum passte


Ursprünglich sollte die Granitschale im Inneren des Museums, genauer in der Rotunde, aufgestellt werden. Doch während der Herstellung wurde sie größer als geplant – und fand schließlich ihren Platz vor dem Museum. In ihrer Zeit galt sie als technisches Wunderwerk und wurde europaweit bestaunt.

Für die Schale nutzte Cantian den Großen Markgrafenstein, einen gewaltigen Findling aus rotem Karlshamn-Granit mit einem geschätzten Gewicht von 700–750Tonnen und einem Alter von rund 1,42Milliarden Jahren. Dieser Stein gelangte während der Saale- oder Weichseleiszeit aus Südschweden in die Rauener Berge bei Fürstenwalde/Spree.


Im September 1827 wurde der Rohling vom größeren der beiden Markgrafensteine abgespalten. Bereits im Februar 1829 stand die fertige Schale vor dem Museum – dort, wo sie bis heute Besucher beeindruckt. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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