Geheimnisvolles Berlin

Skurrile Geschichten und ungelöste Rätsel aus Berlin.

Es gibt in Berlin jede Menge an Anekdoten, skurrilen Geschichten und ungelösten Rätseln, die selbst viele Berliner nicht kennen. Die Stadt ist voller Mythen und geheimnisvoller Orte, die wir hier näher vorstellen wollen.

Widerstand aus dem Keller - 

So hält sich hartnäckig das Gerücht, das es unter der Zionskirche in Prenzlauer Berg einen geheimen Raum gab, in dem die sogenannte „Rote Kapelle“ ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus organisierte.


Die „Rote Kapelle“ war aber kein einheitlicher Widerstandskreis, sondern ein loses Netzwerk von bis zu 150 Personen, das sich aus Intellektuellen, Künstlern, Kommunisten, Sozialdemokraten, Offizieren und Wissenschaftlern zusammensetzte.

Der Name stammt von der Gestapo, die die Gruppen als angebliches sowjetisches Spionagenetz bezeichnete.

Viele Mitglieder wurden 1942 verhaftet und im Dezember desselben Jahres im Gefängnis Plötzensee hingerichtet.

Ein Ort der kirchlichen Opposition

Die Zionskirche war aber bereits in den 1930er Jahren ein Ort, an dem kritische, intellektuelle und kirchliche Opposition Raum fand. Die Kirche wurde später durch Dietrich Bonhoeffer geprägt, der hier als Pastor wirkte. Er übernahm 1931 eine als schwierig geltende Konfirmandengruppe aus einem sozialen Umfeld, mit einer „zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit“. Die Arbeit in diesem sozialen Problembezirk prägte den aus gutem Haus stammenden Professorensohn nachhaltig.


Dietrich Bonhoeffer war bis 1933 Pastor der Gemeinde. In dieser Zeit entwickelte er theologische Ideen, die später zur Basis seiner Widerstandstätigkeit gegen das NS-Regime wurden. Aus diesem Grund wurde er 1944 verhaftet und kurz vor Kriegsende, am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Verbindung zur Zionskirche

Die Zionskirche selbst war nie organisatorisches Zentrum der „Roten Kapelle“, obwohl entsprechende Zitate immer wieder in der Geschichtsschreibung auftauchen.

Was sie ist, sie ist ein Symbol für Berliner Widerstandskultur, in der traditionell die Auseinandersetzung mit der Opposition gepflegt wird, so z.B. „Kirche von unten“ in der DDR-Zeit.

Die Zionskirche war in der DDR ein Zentrum der Opposition – und hier tatsächlich mit einem echten geheimen Kellerraum, in dem die Umweltbibliothek illegal ihre Druckmaschinen betrieb.

So lässt sich dann auch erklären, woher das Gerücht vom NS-Widerstand in der Kirche kommt.



Seit Mitte 1980 diente ein Keller der Zionskirche als Treffpunkt für oppositionelle Gruppen wie der Friedens- und Umweltkreis. Sie verstecken dort ihre „Bibliothek“ mit offiziell verbotenen Büchern und Zeitschriften zu Umwelt- und Menschenrechtsthemen. Der Friedenskreis wurde einer der treibenden Kräfte in der Bürgerbewegung, die schließlich zum Ende der DDR führte. Text und Foto: Klaus Tolkmitt

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