Berliner Brückengeschichten (5): Ein Spaziergang entlang der Spree durch Berlins Mitte.
Berliner Brückengeschichten: Ein Spaziergang entlang der Spree durch Berlins Mitte.
Berlin ist eine Stadt der Brücken. Mit weit über tausend
Bauwerken, die Flüsse, Kanäle und Straßen überspannen, besitzt die Hauptstadt
mehr Brücken als Venedig. Wie viele es tatsächlich sind, darüber streiten
Statistiker bis heute. Sicher ist jedoch: Jede einzelne Brücke erzählt ein Stück
Berliner Geschichte.
Dieser fünfte und letzte Teil der Stadtführung „Berliner
Brückengeschichten“ führt entlang der Spree durch Berlin-Mitte – vorbei an
historischen Bauwerken, politischen Schauplätzen und architektonischen
Highlights. Ein Spaziergang, der zeigt, wie eng die Brücken Berlins mit der
Geschichte der Stadt verwoben sind.
Startpunkt: Weidendammer Brücke – eine der schönsten
Brücken Berlins
Nur 150 Meter hinter dem „Tränenpalst“ am Bahnhof Friedrichstraße, erreicht man die Weidendammer Brücke, berühmt für ihren markanten Brückenschmuck und ihre lange Geschichte.
Der heutige Bau von 1896 steht unter Denkmalschutz, doch seine Vorgängerbrücken gingen auf Reisen: Teile der Gusseisenkonstruktion von 1824 wurden später in Liepe, Eberswalde und im Rhinluch wiederverwendet.
In den 1980er Jahren sollte die Brücke abgerissen werden –
engagierte Bürger verhinderten dies und retteten eines der schönsten Berliner
Bauwerke.
Ebertsbrücke und Monbijoubrücke – Wege zur Museumsinsel
Am linken Spreeufer führt der Weg weiter zur Ebertsbrücke,
die Dorotheenstadt und die Spandauer Vorstadt verbindet.
Nach wenigen Minuten erreicht man die Monbijoubrücke, eine denkmalgeschützte Fußgängerbrücke direkt vor dem Bode-Museum. Besonders beliebt ist sie bei Sonnenuntergang – mit Blick auf die Museumsinsel und die Bronzeskulptur „Hektor“ von Markus Lüpertz. Die Bronzeskulptur mit den großen Füßen. Wer kein Maßband dabei hat: Ein Fuß ist exakt 63 Zentimeter lang.
Bode-Museum und der spektakuläre Münzraub
Das Bode-Museum selbst ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
Museumsinsel. Es beherbergt die Skulpturensammlung, das Museum für
Byzantinische Kunst und das Münzkabinett.
2017 sorgte ein spektakulärer Raub weltweit für Schlagzeilen: Die 100 Kilogramm schwere Goldmünze „Big Maple Leaf“ wurde aus dem Museum gestohlen. Trotz intensiver Ermittlungen ist der Fall bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Die Diebe sollen von der Bahntrasse mit Hilfe einer Leiter ins Haus gekommen sein.
Die Fahnder gehen nicht davon aus, dass die neuen Inhaber
Numismatiker sind. Sie gehören vermutlich zu den Kriminellen, die die Münze
einschmelzen, das Gold anschließend mit anderen Materialien strecken und als
Barren oder als Schmuckstücke verkaufen.
Kupfergraben, Eiserne Brücke und Schlossbrücke –
Architekturgeschichte im Herzen Berlins
Am Kupfergraben erhebt sich das Pergamonmuseum mit der
Antikensammlung und dem berühmten Pergamonaltar, das Vorderasiatische Museum
und das Museum für Islamische Kunst. gefolgt von der Eisernen Brücke, deren
Name an eine frühe Gusseisenkonstruktion erinnert.
Nur wenige Schritte weiter steht die Schlossbrücke, ein Meisterwerk von Karl Friedrich Schinkel. Sie verbindet den Boulevard Unter den Linden mit dem Berliner Schloss und ist mit monumentalen Figuren geschmückt, die an die Befreiungskriege erinnern.
Vorher stand hier die hölzerne „Hundebrücke“, über die 1806 noch Napoleon Bonaparte in Berlin einzog. Die monumentalen Figuren auf der Brücke erinnern an die Befreiungskriege von 1813 bis 1815, mit denen große Teile Europas von der Vorherrschaft Napoleons befreit wurden.
Jungfernbrücke – die älteste Brücke Berlins
Nach einem kurzen Weg erreicht man die Jungfernbrücke,
Berlins älteste erhaltene Brücke. Seit fast 340 Jahren überspannt sie den
Spreekanal.
Ihre hölzerne Klappkonstruktion konnte früher angehoben
werden – eine perfekte Ausrede für Schüler, die zu spät kamen: „Die Brücke war
jrade uffjezogen!“
Die Herkunft des Namens ist bis heute ungeklärt. Ob er auf ein Frauenkloster oder auf knarrende Bohlen bei nicht ganz jungfräulichen Bräuten zurückgeht, bleibt ein charmantes Berliner Rätsel.
Fazit: Ein Spaziergang voller Geschichte und Geschichten
Die Brücken entlang der Spree sind weit mehr als reine
Verkehrswege. Sie sind Zeugen politischer Umbrüche, architektonischer
Entwicklungen und menschlicher Schicksale.
Wer Berlin wirklich verstehen möchte, sollte sich Zeit
nehmen, diese Brückengeschichten zu entdecken – Schritt für Schritt, Stein für
Stein, Geschichte für Geschichte. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt
Hier
geht es zum Startpunkt der Tour
Wer sich für die gesamte Brückentour interessiert, sollte
mit seinem Smartphone die App lialo.com öffnen. Dort wird die gesamte
Strecke von der Bärenbrücke in Moabit bis zur Jungfernbrücke erklärt und mit
Geschichten „gewürzt“. Hier der Link direkt
zur Tour
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