Freitag, 19. Juni 2020

Vom Flugfeld zum Landschaftspark

Die „fliegenden Kisten“ aus Johannisthal

Der Motorflugplatz Johannisthal-Adlershof wurde 1909 vor den Toren Berlins eröffnet und erfreute sich schon bald großer Beliebtheit. Es entstanden Luftschiffhallen für Zeppeline und Motorflieger, die auf dem Gelände Schauveranstaltungen und Flugwettbewerbe durchführten, um das private Unternehmen zu finanzieren. Allein auf der überdachten Haupttribüne fanden über 2000 Besucher Platz und auf einer weiteren, offenen Tribüne noch einmal 1700.

In Johannisthal versammelten sich die Flugpioniere, um ihre teilweise skurrilen Konstruktionen zu testen und vorzuführen. Bekannt geworden ist beispielsweise Melli Beese, die erste Frau, die in Deutschland die Prüfung zum Erwerb eines Privatpilotenscheins ablegte und nach der in der Nähe des Flughafens eine Grundschule und eine Straße benannt sind.

1909 endete der erste Überlandflug über Deutschland in Johannisthal, als Hubert Latham seine Maschine zum „Konkurrenz-Fliegen“ überführte. Der erste Deutschlandflug wurde am 11. Juni 1911 vom Flugplatz Johannisthal aus gestartet. Der erste Dauerflug über mehr als 24 Stunden wurde vom 10. bis 11. Juli 1914 vom Albatros-Werkspiloten Reinhold Böhm durchgeführt. Es sollen hunderttausende Zuschauer gewesen sein, die im Oktober 1913 zum Flugplatz Johannisthal strömten, um bei den abenteuerlichen Flugvorführungen des französischen Starpiloten Adolphe Pégoud dabei zu sein.

Leider gab es auch spektakuläre Unfälle auf dem Flugfeld. Am 29. September 1911 verunglückte hier der Luftfahrtpionier Paul Engelhard tödlich und am 17. Oktober 1913 fing der Marine-Zeppelin LZ 18 Feuer und 28 Menschen kamen ums Leben.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der Flugplatz militärisch genutzt und die industrielle Fertigung von Aufklärungs- und Kampfflugzeugen vorangetrieben.

Während des Krieges galt Johannisthal als Flugzeug-Erprobungsstelle für Jagdflugzeuge, bei denen die besten Piloten der Front die neuen Baumuster testeten. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg begann in Johannisthal am 5. Februar 1919 die Geschichte der zivilen Luftpost in Deutschland.

Als 1923 der Flughafen Tempelhof eröffnete, nahm die zivile Bedeutung des Flugplatzes stark ab. Im Dritten Reich wurde Johannisthal hauptsächlich als Versuchsfeld für die geheime Aufrüstung der Wehrmacht genutzt. Zu DDR-Zeiten nutzte man das Areal bis in die 1980er Jahre hinein militärisch. Nach der Wende verlor der Flugplatz weiter an Bedeutung und wurde 1995 offiziell geschlossen.

Im Kernbereich werden rund 26 Hektar des ehemaligen Flugfeldes seit 2003 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Dem Landschaftspark sieht man seine Vergangenheit kaum noch an. Statt Flugzeuge landen Schmetterline, Bienen und Vögel auf den geschützten Pflanzen.

Um das Naturschutzgebiet herum führt ein teilweise erhöhter Wanderweg, der einen freien Ausblick auf das naturbelassene Areal bietet und die Möglichkeit gibt, zu den Grünflächen für Sport, Spiel und Freizeit zur gelangen. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Dienstag, 16. Juni 2020

Urbanes Berlin in Moabit


Kulturfabrik lebt bürgerschaftliches Engagement

Das ehemals als Fabrik und Lager genutzte Haus in der Lehrter Straße 35 im Berliner Ortsteil Moabit im Bezirk Mitte drohte zu verfallen, obwohl es (oder gerade) seit 1911 unter Denkmalschutz steht. 

Nach langem Leerstand wurde es 1991 als „Kulturfabrik Moabit“ von Anwohnern, Studenten und Künstlern als Verein wiedereröffnet und hat sich zu einem soziokulturellen Kulturhaus mit Theater, Kino, Konzerten, Café und pädagogischer Betreuung für Kinder und Jugendliche entwickelt.

Werkstatt-Workshops und Nachbarschaftshilfe gehören zu den Standardangeboten der Kulturfabrik, die in einem Haus mit langer Geschichte untergekommen ist. Das 1911 für den Wertheim-Konzern erbaute Haus beherbergte gleich mehrere Berliner Industrie- und Handwerksbetriebe, angefangen von einer Heeresfleischerei, Keksfabrik, Konservenfabrik bis hin zu einem Steinmetzbetrieb. 

Heute sind mehrere Vereine für das Innenleben der Räumlichkeiten verantwortlich und sorgen mit ihrem Programm für ein Stück ursprüngliches urbanes Berliner Leben und bürgerschaftliches Engagement. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt


Sonntag, 7. Juni 2020

Das "Abgetrocknetenhaus"

Das heutige Abgeordnetenhaus in Mitte wird von den Berlinern scherzhaft auch

"Abgetrocknetenhaus" genannt.

Im ehemaligen geschichtsträchtigen Gebäude des Preußischen Landtags befindet sich in der Niederkirchnerstraße in Berlin-Mitte gegenüber des bekannten Martin-Gropius-Baus seit 1990 der Berliner Landtag (Abgeordnetenhaus). Bis zur Wiedervereinigung tagten die Abgeordneten im Schöneberger Rathaus. Hier war auch der Sitz des Regierenden Bürgermeisters.