Freitag, 10. April 2020

Der "Houseball"


Skulptur von Claes Oldenburg

Gleich um die Ecke vom Check Point Charlie steht in der Mauerstraße am Bethlehem-Kirchplatz in Berlin-Mitte unübersehbar eine 11-Meter hohe Skulptur. Der "Houseball" von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen (entstanden 1995-97) wurde als "drop sculpture" konzipiert: Die inhaltliche Dimension des Kunstwerks - Migration, Flucht und Wanderschaft - soll sich darin manifestieren.
Die Skulptur ist annähernd kugelförmig und stellt ein Bündel Hausstand dar und enthält verschiedene Möbel und andere Gegenstände. Sie ist in knallbunten Farben gehalten und kann stilistisch der für Oldenburg typischen Pop Art zugeordnet werden.

Mittwoch, 8. April 2020

Das Reitergrab von Neukölln


 

Das Reitergrab aus dem Körnerpark

Es gibt nur wenige bekannte Gräber aus der Zeit der Völkerwanderung im 5. und 6. Jahrhundert. Umso mehr ist das germanische „Reitergrab von Neukölln“ schon eine archäologische Seltenheit, als man es 1912 bei Erdarbeiten an der Jonas/Selckestraße in der damaligen Stadt Rixdorf gefunden hatte.
Als der Körnerpark aus einer Kiesgrube entstehen sollte, entdeckte man in einer Gruft die Knochenreste eines Pferdes und eines männlichen Toten, sowie Teile seiner Ausrüstung, wie Beschläge eines Gürtels, Bronzenägel und ein Schwert. Das Zeugnis der Vergangenheit ist jetzt im Märkischen Museum in Berlin-Mitte ausgestellt. Text und Foto: Klaus Tolkmitt Foto Reitergrab: Anagoria

Freitag, 3. April 2020

Das Beamtentor in Wedding

Berliner Bilderbogen


Eingangsportal der ehem. AEG-Werke in Berlin Wedding in der Brunnenstraße




Montag, 30. März 2020

Die goldene Uhr ohne Ziffern


Ein zweiteiliges Kunstwerk an der Charitè

Auf dem ersten Blick sieht man eine Uhr ohne Ziffern. Blickt man genauer, dann fehlen auch die Zeiger. Es ist also gar keine Uhr, sondern eine goldene Sonne, die da an einer Wand gegenüber dem Bettenhaus der Charité in der Luisenstraße im Berliner Bezirk-Mitte hängt?
Es ist beides, vor allem ein Kunstwerk von Renate Wolff. Die Künstlerin, die Malerei und Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat, lebt und arbeitet in Berlin und gewann mit ihrem Projekt „Die goldene Stunde“ 2017 den 1. Preis im Kunstwettbewerb für das Bettenhochhaus des Charité Universitätskrankenhauses.

Der Begriff „die goldene Stunde“ kommt aus der Medizin und ist der Fachbegriff für den Zeitraum, in der Patienten in der Notfallmedizin gerettet werden können.
Das Kunstwerk hat zwei Teile. Mit einem Durchmesser von achteinhalb Metern wurde an der Brandwand das goldene Ziffernblatt ohne Stunden- und Minutenstrichen installiert und im Innenhof des Hauses komplettiert ein Ziffernblatt in gleicher Größe nur in umgekehrter Weise das Projekt.
Das Kunstwerk steht allerdings in der Kritik. Die gold-glänzende Uhr soll 450.000 Euro gekostet haben, statt der ausgelobten Summe von 280.000 Euro. Für den Steuerzahlerbund ein Ärgernis, obwohl bei öffentlichen Bauten in Berlin ein Prozent der Gesamtkosten für Kunst am Bau ausgegeben werden muss. Damit soll die Verschönerung des öffentlichen Raums und die Förderung von Künstlern vorangetrieben werden. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Sonntag, 22. März 2020

Berlins unbekanntester Park

Oase der Ruhe zwischen Ziersträuchern und Blumenbeete

Man muss schon in der Oranienburger Straße 19/20 in Berlin-Mitte genau hinsehen, um den Eingang zu finden, der zum Krausnickpark führt. Er ist nach dem Kommunalpolitiker Heinrich Wilhelm Krausnick (1797–1882) benannt und der vermutlich unbekannteste Park in Berlin. Aus einer ehemals privaten Gartenanlage entstand 2007 ein öffentlicher Park, der jetzt von einem Anwohnerverein liebevoll gepflegt wird, um dieses idyllische Kleinod zu erhalten. Noch den Lärm von der belebten Oranienburger Straße im Ohr, spürt man nach wenigen Schritten im Park die himmlische Ruhe und entspannte Atmosphäre zwischen Ziersträuchern und Blumenbeeten.

Die Geschichte des Parks geht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Zu dieser Zeit wurde hier Obst und Gemüse angebaut. In den Jahren ab 1840 erfolgte in der Oranienburger Straße die erste feste Bebauung. Der königliche Bauinspektor errichtete darüber hinaus ein Sommerhaus, das 1878 durch ein Ballhaus mit zwei großen Sälen ersetzt wurde. Das gehobene Bürgertum erfreute sich an einer Kegelbahn, einem Musikpavillon und an einem Springbrunnen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der Anlage zerstört. 1959 wurde einer der Ballsäle zum Hörsaal umgebaut und von der Psychologischen Fakultät der Humboldt-Universität genutzt. Der Garten wurde aufgeteilt, einige Parzellen als Gärten, Spielplatz und für eine Kindertagesstätte genutzt.

1997 begannen erste Überlegungen, den Park wieder als öffentliche Grünanlage zu erschließen. Zehn Jahre später standen die erforderlichen Mittel bereit, um mit Hilfe des Bezirksamtes Mitte eine öffentliche Parkanlage zu errichten. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt 

Montag, 9. März 2020

Der "Schwerbelastungskörper" in Tempelhof

Hitler wollte in Tempelhof einen gewaltigen Triumphbogen bauen 

Im Zusammenhang mit der geplanten Umgestaltung Berlins zur Reichshauptstadt „Germania“ untersuchten 1937–1943 Ingenieure die Tragfähigkeit des Berliner Baugrundes. Unter der Leitung des Generalbauinspektors Albert Speer, dem Architekten Adolf Hitlers, ging ein gigantisches Projekt in Planung, das Berlin völlig neu gestalten sollte. Nach Hitlers Vorstellung hätten zwei Magistralen die neue „Welthauptstadt“ wie ein Kreuz durchschnitten.

Die größte Aufmerksamkeit galt der Nord-Süd-Achse mit ihrer 7 km langen und 120 m breiten Prachtstraße. An deren Ende war ein gewaltiger Triumphbogen geplant, der alle baulichen Dimensionen Berlins gesprengt hätte. Der Zweite Weltkrieg setzte der menschenverachtenden Stadtplanung der Nationalsozialisten ein Ende.

Der „Schwerbelastungskörper“ an der General-Pape-Straße 34A im Bezirk Schöneberg-Tempelhof zeugt bis heute von den wahnsinnigsten Bauvorhaben, die es je für Berlin gegeben hat.

Der runde Klotz ist ein zylindrischer Druckkörper aus massivem Beton und Stahlbeton und hat einen Durchmesser von 21 Metern. Er reicht 14 Meter in die Höhe und 18 Meter in die Tiefe. Der Bau stellt wohl ein weltweit einmaliges Projekt dar und erreicht mit seinen 12.650 Tonnen Gewicht einen Bodendruck von 1,26 Meganewton je Quadratmeter. Mit dem Bau wollte man die Tragfähigkeit des Baugrunds für den Triumphbogen prüfen. Eine Auswertung der am Schwerbelastungskörper geführten Messungen erfolgte aber erst nach Ende des 2. Weltkrieges Anfang 1948. Die Messungen hatten eine Setzung von 19,3 Zentimetern innerhalb von zweieinhalb Jahren ergeben.

Seit 1995 steht das einmalige und ursprünglich nur auf eine Bestandsdauer von 20 Wochen angelegte Ingenieurbauwerk unter Denkmalschutz. Im September 2009 wurde nach der Sanierung des Betonbauwerks das Grundstück hergerichtet und als „Informationsort Schwerbelastungskörper“ eröffnet. Damit ist nun die Gelegenheit gegeben, hier die menschen- und stadtverachtende Dimension des nationalsozialistischen Städtebaus zu begreifen und zu diskutieren. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt
Besucherinformation: Geöffnet vom 1. April bis 31. Oktober, General-Pape-Straße 100, Tor 1, 12101 Berlin, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Schwerbelastungskörper